Zur Geschichte der Kirche und der Kirchgemeinde Blankensee.

Wie schon bei der Geschichte der Gemeinde Blankensee, welche durch die Geschichte der Kirche maßgeblich beeinflußt wurde, möchten wir den Stand unseres Wissen hier veröffentlichen. Sollten Sie uns bei der Erforschung der Geschichte helfen können, dann bitten wir Sie sehr herzlich darum. Bitte schicken Sie uns eine E-Mail.


1865 schrieb Dr. Heinrich Berghaus im "Landbuch des Herzogtums Pommern, Verwaltungsbezirk Stettin" folgenden Text über Blankensee: (Ausschnitt über die Kirche)

1865

... Die Blankenseer Kirche unter dem Patronat der Gutsherrschaft von Stolzenburg, ist seit 1732 eine Mutterkirche; vor dem genannten Jahre war die Kirche zu Stolzenburg Mater, die jetzt Filia von Blankensee ist; außerdem gehören zur Parochie das Vorwerk Sonnenwald, das Dorf Pampow, und, mit Ausnahme von 2, sämtliche zum Rittergut Stolzenburg gehörigen Vorwerke, Etablissiments u.s.w. Die Pfarrländereien lagen auch bei Stolzenburg. Im genannten Jahre 1732 wurde der Pfarrsitz nach Blankensee verlegt, nachdem der Landrath Bernd v. Ramin auf seine Kosten statt des in Stolzenburg gewesenen Pfarrhauses ein ganz neues Predigerhaus hatte erbauen lassen. Auch die Pfarrländereien wurden dem Prediger bei Blankensee angewiesen. Sie umfassen 253 Mg. 68 1/2 Ruth, wovon 1. 13 Hof- und Baustellen, bestehend aus dem Pfarrhause, 1 Scheune, 1 Stall, 1 Wohnhause nebst Stall für den Colonus, der die Pfarrländereien bewirthschaftet, 1. 85 Gärten, 2. 17 Wurthen, 124. 157 Ackerland, 98.107 1/2 Wiesen und 25.49 Hütung. Das Colonen-Haus ist Eigenthum des jedesmaligen Pfarrers, der es seinem Vorgänger oder dessen Erben abkaufen muß; der Grund und Boden auf dem es steht, gehört der Pfarre.

Die Einkünfte der Pfarre bestehen in 100 Schffl. Roggen und 10 Schffl. 13 Mß. Gerste an Meßkorn, 100 Thlr. Jahresgeld, 150 Thlr. an Accidentien, 25 Mandel Eier, 20 Würsten zu 10 Sgr., 30 Klaftern Holz (wovon 17 Klafter Kiefer, 13 Klafter Eichen- und Buchenholz; jede Sorte zu 3/4 Kloben und 1/4 Knüppel); an Ackerpacht 225 Thlr. baar, 1 Winspel Hafer, 8 Schffl. Weizen, 2 Schffl. Erbsen, 1 Schffl. Buchweizen; Ertrag der reservirten Ländereien 40 Thlr. Von den Gesamt-Diensteinkommen gehen ab die Unkosten für zwei Dienstpferde, so wie die an die Pfarrwittwe zu zahlende Octava im Betrage von 66 Thlr. 16 Sgr. 3 Pf. jährlich. Ein Pfarrwittwenhaus ist nicht vorhanden.

Die Kirchenländereien betragen im Ganzen 103 Mg. 89 1/2 Ruth., vovon 1.45 Hof- und Baustelle ( es ist eine Kirchenscheune da), 64. 18 Acker, 15. 121 1/2 Wiesen und 22.85 Hütungen. Capitalvervögen besitzt die Kirche nicht. ...


1901 gab Hugo Lemcke das Buch "Die Bau und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirkes Stettin" heraus. Darin heißt es über die Kirche von Blankensee.

1901

Blankensee, 2,5 km nordwestlich von Böck (Kleinbahn Stöwen-Stolzenburg).
Kirche, Tochter zu Stolzenburg (Pfarrsitz in Blankensee). Patron Gutsherrschaft.
Kirchenbau
Findlingsbau des späten Mittelalters. Der Ostgiebel ist durch vier zweitheilige Blenden gegliedert, deren oberer Abschnitt eine von Ziegeln eingeschlossene kreisrunde Nische bildet, gegen die der Mittelpfosten todtläuft; außerdem noch drei kreisrunde Blenden. Ein Westthurm ist, schmaler als die Kirche, vorgebaut; er trägt eine schindelgedeckte, gschweifte Haube von 1777.

Zwei Altarleuchter aus Zinn von 1698.
Taufbecken aus Messingblech, achteckig, am Rande gepresste Blumen und die Jahreszahl 1701.
Glocken. 1, von Lorenz Köckeritz 1674; 2, von Otto Scheel 1777 in Stettin gegossen.

Kelche. 1, silbervergoldet, von 1768, mit dem Ramischen und gräflich Lepelschen Wappen. 2, von 1728, schlicht; gehört ursprünglich der Kirche von Stolzenburg.

1665 bis 1693 Diese Berichte gibt es nur noch in der Wiedergabe von Pastor Lesko, um 1925. Er bezieht sich auf Aufzeichnungen von Pastor Reimarus (1665 – 1693).
 
Aus der Pfarrchronik von Stolzenburg und Blankensee
 
Ein paar Daten zur Person von Pastor Philippus Reimarus: Er stammt aus einem alten Pastorengeschlecht. Der Großvater war Pastor in Hohendorf bei Wolgast, der Vater in Luckow Kr. Ueckermünde. Ph. R. studierte in Jena und Rostock und wurde 1656 den 12. Okt. Von den Patronen Bernd Otto v. Ramin und Christian Siegesmund von Schack auf Stolzenburg in die Pfarrstelle berufen. Aus seinem Pfarrhaus sind berühmte Schulmänner und Gelehrte hervorgegangen. Im Februar 1694 starb Pastor Reimarus nach 38 Jahren Amtszeit.
Als Philippus Reimarus hier sein Amt antrat fand er nur Trümmer vor. Die furchtbaren Wunden, welche der 30 jährige Krieg unserer Heimat geschlagen hatte, waren noch lange nicht geheilt. Die Gutsherren seufzten unter schwerer Schuldenlast und es ist ihnen zum Ruhme hoch anzurechnen, dass sie zur Wiederherstellung der kirchlichen Gebäude kein Opfer scheuten. Die 7 ½ Zentner schwere Glocke, die sie 1653 stifteten, der innere Schmuck der Kirchen, so in Stolzenburg das Ephitaphium v. Jahre 1668, zeigten von großer Opferwilligkeit. Die Güter brachten fast nichts ein. Aus der Vokation des Pastors Reimaurs und aus dem Kirchenvisitationsprotokoll vom Jahre 1647 können wir uns ein Bild machen, wie es damals bei und aussah. Die meisten Höfe der Bauern und Kossäthen lagen noch wüste. Von 8 Bauernhöfen in Stolzenburg waren nur 4 besetzt und von 10 Kossäthenhöfen lagen 8 wüste. In Blankensee war kein Bauer mehr und 1647 wird ausdrücklich gesagt, dass seit dem Kriege keim Bauer mehr im Dorfe gewesen, sondern dass die Gutsherren die Äcker durch einen Verwalter bestellen ließen. Die 4 Bauren in Stolzenburg waren Hans Drüsewitz, Jakob Megow, Achim Roddenkopf und Michael Herzfeld, die 2 Kossäthen Martin und Jürgen Wittenhagen. Außer diesen wohnten im Dorfe noch zwei Schneide, ein Radmacher und ein Leinweber. Zugleich mit dem Pastor wurde Michael Vögel zum Küster berufen, welcher 1700 bei einer Schlägerei den Tod fand.

Die ausgeraubten und zerstörten Kirchen wurden dank der Fürsorge der Patrone wieder in Stand gesetzt. In dem Visitationsprotokoll 1674 heißt es von der Kirche zu Stolzenburg: „Sie ist am Gebäude nebst am Dach von Ziegeln sehr gut, inwendig mit einem Predigtstuhl, Altar und nötigen Gestühlen, wie auch Boden und andren Ornat sehr ausgeputzt und im fertigen Zustande. Im Turm sind 3 Glocken vorhanden und eine Uhr. Der Kirchhof ist mit einem gestützten Torwege und einer Pforte, die Mauern an einer Seite etwas schadhaft, an der anderen Seite aber grenzt er an des Priesters Zaun von Sträuchern und Bohlen, welcher zu bessern von Nöten.“

Die verwüstete Kirche in Blankensee war kurz vor der Visitation hergerichtet worden und mit Ziegeln gedeckt. Doch fehlte noch der Altar, den der Patron Bernd Otto v. Ramin 1675 neu aufrichten ließ. „Die Kanzel nebst Treppe ist mit Steine auf allen Seiten gemauert, es mangeln noch die Gestühle. Der Turm ist bis auf die Mauer von Feldsteinen eingefallen und liegt noch offen. Der Kirchhof ist noch ohne Bewehrung und muß eingefriedet werden, damit kein Vieh darauf kommen könne bei Strafe der Pfändung“

„Es war böse Zeit, als Pastor Reimarus hier seines Amtes in Treuer waltete. Er fand die Trümmer, die der 30jährige Krieg hinterlassen hatte, vor, und wieder brachten neue Kriegsstürme, die in kurzen Zwischenräumen über unseren Kreis dahinbrausten, Nöte und Schrecken, wie sie im 30jährigen Kriege schlimmer nicht sein konnten, der polnisch – schwedische Krieg 1665 bis 1679. Im August 1657 war der polnische Woywode Czarnetzky in Vorpommern eingedrungen und hatte mit seinen Horden den Weg durch unseren Kreis genommen, bis sie sich vor Ueckermünde blutige Köpfe holten, überall Verwüstung und rauchende Trümmer hinter sich lassend und an die 70 Dörfer in Schutt und Asche legend.

Die Kirchen in Ramin, Sonnenberg, Ladentin, im benachbarten Daber gingen in Flammen auf; das gleiche Schicksal traf die Rittersitze Böck, Daber, Brunn, Ramin, Krakow, Lebbehn, Sonnenberg, Ladentin u. a.; insgesamt 70 Dörfer sanken in Schutt und Asche. Unter den fortgesetzten Kriegsunruhen und Truppendurchzügen kam unser Kreis nicht mehr zur Ruhe bis zum Friedensschluß 1679. Nach dem Bericht des kurfürstlichen Commissars von Podewils war in sämtlichen um Stettin liegenden Dörfern kein Sparren und kein Stiel vorhanden, kein Stein mehr auf dem anderen: nur die alten Granitmauern der Kirchen hatten der Zerstörung getrotzt. Die Einwohner der Dörfer waren geflüchtet, die Guts- und Bauerhöfe verwüstet. Seit 1630 war in Blankensee kein Bauer mehr gewesen. Grauenvoll waren die Zustände, welche die Kriege in unserem Heimatkreise hinterlassen hatten. Überall sah man verwahrloste Felder, auf denen Laub – und Nadelholz wuchs, verbrannte und verfallene Häuser, gebeugte und verzagte Menschen. Alle Bande der Sitte schienen gelöst, Verbrechen waren an der Tagesordnung, Diebstahl, Raub und Mord hielten allerorten die Gemüter in steter Aufregung und zu alledem kam noch ein finsterer Aberglaube, der besonders in den Hexenprozessen dieser bösen Zeit seinen widerwärtigen Ausdruck fand.

Der freie Bauernstand war vernichtet. Die von den Bauern verlassenen Höfe nahm der Gutsherr an sich und verlieh sie an Leute, welche fortan als Leibeigene auf den Rittergütern dafür Dienste tun mussten.

Nun war 1679 der ersehnte Friede gekommen. Überall begann ein neues Leben. Es zog in die Kirchen ein. Die große Not der Kriege hatte die Gemüter wieder zu Gott geführt. Die verfallenen Kirchengebäude wurden mit großen Opfern wieder hergestellt, die geraubten Geräte und Leuchter wurden wieder ersetzt. Die Kirchen in Stolzenburg und Blankensee erhielten von den Patronen neue Glocken, und das Epitaphium über der Kirchentür in Stolzenburg von Bernd Otto von Ramin errichtet, bildet noch heute bei uns ein wertvolles Andenken an diese unsagbar schwere Zeit. Auch das wirtschaftliche Leben begann sich neu zu regen, trotz erneuten Mißwachses und schlimmer Krankheiten. Die verwachsenen Äcker, kaum zur dritten Teil brauchbar, wurden mit Axt und Pflug und Feuer wieder gerodet und dem Raubzeug, das überhand genommen hatte, zu Leibe gegangen.“

Das Material wurde uns zur Verfügung gestellt von unserem ehemaligen Pastor Mack.
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