29.08.2016 Das Storchenjahr 20216 in Blankensee

Jens Krüger vom Storchenhof Papendorf hält in den Horst eingetragenen Grasschnitt in den Händen, der für kleine Jungstörche zur tödlichen Gefahr werden kann.
Die verbliebenen zwei Jungstörche erhielten am 2. Juli ihre Ringe.
 

Rückblick: Storchenjahr 2016 in Blankensee

 

2016 wollte das Storchenjahr in Blankensee einfach nicht richtig beginnen. Zwar tauchten ab dem 8. April immer wieder einzelne Störche am Horst auf, zunächst ließ sich aber keiner von ihnen dauerhaft nieder. Auch Junggesellengruppen waren zu beobachten. Spielerisch landete immer wieder eines der Tiere auf dem Horst und wurde von einem anderen „heruntergeschupst“.

So ging das über fast drei Wochen. Und nachdem schon 2015 die Besetzung des Nestes deutlich später erfolgte als in den Jahren zuvor, stieg bei uns von Tag zu Tag die Besorgnis, dass der Horst in diesem Jahr womöglich gänzlich ohne Brutpaar bleiben würde. Zumal auch viele andere Storchennester in der Region bis weit in den April hinein ohne Bewohner geblieben waren.

Doch am 29. April war es dann soweit. Innerhalb weniger Stunden kamen zwei Altvögel am Horst an und begannen alsbald mit Balz und Brut. Und ab der zweiten Juni-Hälfte zeigten sich auch die ersten kleinen Storchenköpfchen über dem Nestrand.

Am 2.7. hatte sich dann das Beringerteam um Jens Krüger vom Storchenhof Papendorf angekündigt, um die alljährliche Beringung der Jungvögel vorzunehmen. Just am Morgen dieses Tages fanden wir – wie auch in etlichen Jahren zuvor – wieder einen kleinen toten Jungstorch unter dem Horst. Wie Jens Krüger diagnostizierte, hatte er Grasschnitt aufgenommen, den die Altvögel zur Herrichtung des Nestes eingetragen hatten und der dann mit dem Futter verklebt war, das die Altvögel für ihre Jungen ausgewürgt hatten.

Im Horst saßen zwei weitere Jungvögel, die erkennbar ebenfalls viel Gras im Magen hatten, das dort zu regelrechten Graskugeln verklumpt war. Sorgenvoll beobachteten wir täglich das Geschehen am Nest, und glücklicherweise überstanden die Kleinen die nächsten Tage und wuchsen zu kräftigen Kerlchen heran.

Nachdem zunächst stets einer der Altvögel bei den Jungen am Horst blieb, begannen etwa ab der zweiten Juli-Dekade die Altvögel gemeinsam nach Nahrung für ihren Nachwuchs zu suchen. So auch am Morgen des 13. Juli. Die Gunst der Stunde nutzte an diesem Tag ein junges Habicht-Weibchen und erbeutete die beiden verbliebenen Jungvögel. Doch waren diese bereits so schwer, dass sie nicht mehr davonzutragen waren. Bei dem Versuch, das zu tun, fielen beide Jungvögel zu Boden. Ganze vier Tage lang kam das Habichtweibchen immer wieder an den Horst, um sich an seinem Riss gütlich zu tun.

Nun ohne Nachwuchs ließ auch die Bindung der Altvögel an den Horst rasch nach. Immer seltener waren sie hier zu beobachten und verließen schließlich am 9. August – zehn Tage früher als im Vorjahr – ihr Brutgebiet.

Ja, auch das ist Natur: Auf ein Jahr mit dem besten Bruterfolg seit langem (2015 mit vier ausgeflogenen Jungen) folgt ein Jahr mit einem Totalverlust der Brut. All das ist für eine Population in nahrungsreichen und gut strukturierten Lebensräumen leicht zu verkraften. Doch gerade daran mangelt es inzwischen in vielen Regionen auch in Mecklenburg-Vorpommern. Glücklicherweise sind die Bedingungen um Blankensee wie auch um Pampow noch vergleichsweise günstig – unter anderem dank der ökologischen Wirtschaftsweise unserer Landwirtschaftsbetriebe. Auch deshalb konnte das Pampower Storchenpaar in diesem Jahr 3 Jungvögel großziehen.

Hoffen wir, dass 2017 auch für die Blankenseer Störche wieder zu einem erfolgreicheren Storchenjahr wird.

Susanne Völlm & Stefan Schwill

Fotos: Stefan Schwill

Ein junges Habichtweibchen auf dem Storchenhorst. Zu diesem Zeitpunkt lagen die gerissenen Jungvögel bereits unter dem Horst. Immer wieder sichert der Greifvogel zunächst von diesem Punkt aus, bevor er an seinen Riss fliegt, um zu fressen.
Vier Tage lang ernährt sich das Habicht-Weibchen von den beiden gerissenen Jungstörchen, bis von diesen nur noch Federn und größere Knochen übrig sind.